Achtsamkeit
Das Leben besteht aus Augenblicken
»O ja, ich hatte meine Augenblicke, und wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte, würde ich dafür sorgen, dass ich noch mehr davon hätte. Wenn Sie's genau wissen wollen: Ich würde versuchen, nichts anderes zu haben. Einfach nur Augenblicke, einen nach dem anderen, anstatt ein Leben lang immer auf die Zukunft zu warten.«
Nadine Stair, Louisville, USA, 85 Jahre
Kennen Sie das auch? Wir geraten durch andauernde Überbelastung in Beruf und Familie an unsere Grenzen. Die moderne Zeit mit ihrem gewaltigen temporeichen Input für alle Sinne will bewältigt sein, ein fordernder Alltag will geschafft werden. Das Umschalten auf »Feierabend« scheint manchmal einem Ausstieg aus einem Flugzeug in 10.000 m Höhe zu ähneln! Was also tun, um heil herunter zu kommen, um – auch in kritischen Situationen – Boden unter den Füßen zu behalten und wieder aufzutanken?
Jon Kabat-Zinn hat eine Methode zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit entwickelt: MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), was sich am besten mit »Stressbewältigung durch die Übung der Achtsamkeit« übersetzen lässt.
Als wirksames Programm, um Stress vorzubeugen und abzubauen, findet MBSR nicht nur im Gesundheitswesen weltweit Anwendung, sondern auch im privaten Bereich, in Schulen, sozialen Einrichtungen sowie in Unternehmen. Menschen mit langjährigem Dauerstress profitieren von MBSR ebenso wie weniger gestresste Personen, die ihr Leben bewusster gestalten wollen. Klassischerweise wird MBSR in Form von 8-Wochen-Kursen unterrichtet. Im Zentrum dieser Kurse steht die Praxis der Achtsamkeit.

Achtsamkeit bedeutet, ganz im Hier und Jetzt zu sein und entspannt wahrzunehmen, was gerade geschieht. Durch Achtsamkeitsübungen lernen wir, innezuhalten und zu bemerken, wenn wir uns in Gedanken an Zukünftiges oder Vergangenes verlieren. Wir erkennen unsere automatischen Denk- und Verhaltensmuster klarer und bekommen ein Werkzeug, mit dem wir sie allmählich verändern können. Wir lernen, gelassener mit Stress umzugehen, mehr inneren Freiraum zu schaffen und die schönen Momente des Lebens bewusster zu genießen.
»Die Schulung der Achtsamkeit führt ... zu einer neuen Sicht- und Seinsweise, weil sie dem Übenden die Kraft der Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks erschließt. Der gegenwärtige Augenblick, das Jetzt, ist der einzige Augenblick, in dem wir wirklich leben. Vergangenes ist vorüber, Zukünftiges noch nicht geschehen. Nur die Gegenwart steht uns zum Leben zur Verfügung. Das Jetzt ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, um wirklich zu sehen, wirklich heil und gesund zu werden.«
Jon Kabat-Zinn
MBSR 8-Wochen-Kurse
8-wöchige Kurse werden in Gruppen von 6-10 Teilnehmern unterrichtet mit einer Kurseinheit à 2 1/2 Stunden pro Woche. Hinzu kommt ein 4-stündiger Übungstag an einem Wochenende.

Im 8-Wochen-Kurs werden grundlegende Achtsamkeitsübungen erlernt, eingeübt und besprochen, so dass ein selbstständiges Weiterführen der Praxis nach Kursende möglich ist. Die Methoden entfalten nur durch regelmäßiges Üben ihre Wirkung. Voraussetzung für die Teilnahme ist deshalb die Bereitschaft, für die Dauer des Kurses mit Hilfe von CDs täglich 30-45 Minuten zu Hause zu üben.

Die Kursgebühr für den 8-wöchigen MBSR-Kurs inkl. Achtsamkeitstag (Gesamtumfang mind. 20 Stunden), persönlichem Vorgespräch und Kursunterlagen (Teilnehmer-Handbuch und mehrere Übe-CDs) beträgt insgesamt in der Regel 300 Euro.

Die aktuellen Kurstermine finden Sie auf meiner Termine-Seite.
Literaturempfehlungen
Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation: Das große Buch der Selbstheilung.
Der Originaltitel klingt viel interessanter: Full Catastrophe Living.

Jon Kabat-Zinn, Achtsamkeit für Anfänger.

Ausführliche Literaturliste als pdf hier.
Weitere Informationen
www.mbsr-verband.org
http://www.arbor-seminare.de/
http://www.arbor-verlag.de/ressource/achtsamkeit
www.institut-fuer-achtsamkeit.de
Noch eine Inspiration
»Schritt für Schritt« aus: Momo von Michael Ende
Wenn Beppo Straßenkehrer so die Straße kehrte,
tat er es langsam, aber stetig:
Bei jedem Schritt einen Atemzug
und bei jedem Atemzug einen Besenstrich.
Schritt - Atemzug - Besenstrich.
Schritt - Atemzug - Besenstrich.
Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen
und blickte nachdenklich vor sich hin.
Und dann ging es wieder weiter -
Schritt - Atemzug - Besenstrich.
"Siehst du, Momo", sagte er, "es ist so:
Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist so schrecklich lang;
das kann man niemals schaffen, denkt man.
Und dann fängt man an, sich zu eilen.
Und man eilt sich immer mehr.
Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man,
dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an,
man kriegt es mit der Angst,
und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor einem.
So darf man es nicht machen.
Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich.
Und immer wieder nur an den nächsten.
Dann macht es Freude;
das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein.
Auf einmal merkt man,
dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt wie,
und man ist nicht außer Puste.
Das ist wichtig."